Kleingarten

Kleingarten im Wandel #1

Hier beginnt die Geschichte von einem Stück gepachtetem Land und zwei verrückten Romantikern, die auf dem Weg zu einem kleinen, eigenen Paradies nie müde wurden, um gegen Wurzeln, Dornen, Unkraut, Wühlmäuse, Pflanzenkrankheiten und die Launen des Wetters anzukämpfen. Ich erzähle die Geschichte mit dem Wissen von heute. Hätten wir damals gewusst, auf was wir uns einlassen – wir wären wahrscheinlich schreiend weg gelaufen. Denn die Natur selbst lehrte uns alsbald, daß unsere romantischen Ideen von einer friedlichen Koexistenz mit all den kleinen und größeren Kreaturen im Garten von vorne herein zum Scheitern verurteilt waren.

Im Sommer 2007 wurde der Wunsch nach einem eigenen Garten bei meiner Frau und mir größer. Wir wohnten damals in der Innenstadt von Kiel, hatten alle Einkaufsmöglichkeiten vor der Haustür und einen Balkon. Blickrichtung Innenhof. Frische Luft gab es im Schrevenpark ein paar Minuten entfernt. Aber es reichte halt nicht. Auch mit unseren Fahrrädern hatten wir alles in der Gegend schon erkundet. Ich hatte die fixe Idee, es meinen Vorvätern gleich zu tun und wildes Land urbar zu machen. Oder anders ausgedrückt, eine leere, unbebaute Parzelle in einem Kleingartenverein im Norden Kiels zu pachten. Wir sattelten unserere Räder und fuhren hin. Meine liebe Frau war von der Idee, bei Null anzufangen, alles andere als begeistert. Zumal die unbebauten Parzellen zwar wie angeboten „unbebaut“ waren, aber es war flächendeckend mit meterhohem Unkraut bewuchert. Aber nun waren wir schon mal hier, also schauten wir uns einmal um. Und fanden diesen Garten mit einem Schild dran, das er abzugeben sei.

2007 – Liebe auf den ersten Blick

Der Besitzer – nennen wir ihn Herbert – war, wie es der Teufel manchmal so will, auch gerade da und werkelte im Garten herum. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Wir kamen mit Herbert ins Gespräch und erfuhren, dass er altersbedingt nicht mehr konnte und seine Frau krank zu Hause lag. Deswegen sei es nun an der Zeit, den Garten abzugeben. Unsere Herzen begannen, vor Mitleid zu triefen und unser Verstand triefte ebenfalls von dannen. Denn wir handelten einen viel zu hohen Preis aus. Daß das Dach an vielen Stelle undicht war, hatte Herbert vergessen, zu erwähnen. Ebenso das in einem Plastiksack verpackte Toilettenbecken, das er im Komposter – besser in einem seiner vier oder fünf Komposter – versteckt hatte. Von den Eternitbruchstücken, die überall im Garten zu finden waren, ganz zu schweigen. Und, und, und. Wir haben unser erstes Lehrgeld bezahlt und das alte Schlitzohr hatte leichtes Spiel mit uns.

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Wir hatten die Übergabe später im Herbst vereinbart, damit Herbert noch seine letzte Ernte einfahren und seine sieben Sachen packen konnte. In der Zwischenzeit saßen meine Frau und ich zu Hause und planten. Dummerweise hatte meine Frau Pläne, die von meinen abwichen. Milde ausgedrückt, stellte uns die Anfangszeit in unserem Garten auf eine harte Beziehungsprobe, weil die Kompetenzen nicht klar verteilt waren, was immer wieder zu eigentlich unnötigen kleinen Auseinandersetzungen führte. Das hat sich aber bald gegeben und nun sind wir ein nahezu perfekt eingespieltes Team. Ich mähe den Rasen und gut ist 🙂

Am Anfang war das Chaos…

Wir hatten gut fünf Kilometer zu radeln, bis wir im Garten waren. Der Hinweg mit permanenter Steigung, zurück ging es dann naturgemäß etwas schneller. Wenn ich dann nach einem Tag voller Buckelei im Garten noch die zwei Räder in den Keller geschleppt hatte, war ich meist völlig im Eimer. Aber sowas von. Meine Frau auch. Sie schuftete unermüdlich.

Die erste Aktion war das Ausräumen der Laube. Die war völlig zugestellt. Herbert hat so ziemlich alles gesammelt, was nichts kostete. Ein alter Schrank mit Kalendern von 1970 aufwärts. Irgendwelche Kerzenleuchter und sonstiger Krimskrams, der Rasenmäher passte gerade noch zur Eingangstür rein. Es roch modrig und nach Benzin. Zum Schutz vor Einbrechern hatte Herbert große dicke Holzplatten vor die Fenster geschraubt und Jahre lang davor gelassen. Sommers wie winters.

Der kranke Pflaumenbaum muss weg.

Damit etwas Licht und Sonne an die durchfeuchtete Laube kam, musste auch die Rose weichen, die sich schon eine Wand und Teile des Daches gekrallt hatte. Nur wohin mit dem ganzen Müll und Pflanzschnitt? Für den Müll hatten wir einen Container bestellt. 15m³ groß. Der Fahrer, der den Container brachte, stellte ihn so nahe wie möglich an unseren Garten heran. Trotzdem waren es noch ca. 50 Meter, die mit einer Schubkarre zu überbrücken waren. Wir liefen uns die Füße wund. Um den Pflanzschnitt loszuwerden, warteten wir auf das große Brennen, welches damals noch stattfinden durfte. Im Rahmen der Vereinsgemeinschaftsarbeit. Aber ich und der Verein, vertreten durch den Koppelobmann – das ist ein eigenständiges Thema 🙁

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