Kleingarten

Kleingarten im Wandel #2

Das Jahr 2007 neigte sich dem Ende zu und wir hatten alle Hände voll zu tun. Ich schleppte Steinplatten von einer Ecke in die andere, nur um dann festzustellen, daß sie wieder irgendwie im Weg lagen. Uns war es wichtig, zu den angrenzenden Grundstücken wieder eine klare Kante zu haben, so daß nichts von uns in fremde Gärten wächst. Also verlegte ich den Plattenweg direkt an den Zaun, tauschte quasi den Platz mit dem Staudenbeet. Platten verlegen ohne Sand und ohne Ahnung führt zu keinem befriedigenden Ergebnis, aber für jetzt musste es reichen.

Herberts Eingang. Links die Grenze zur Nachbarin mit dem zugewachsenen Zaun. Auch gut zu sehen die Beeteinfassungen aus Eternitplatten.

Mittlerweile hatte sich herum gesprochen, daß zwei Irre den Garten von Herbert gepachtet hatten und alles platt machten. Die Schaulustigen flanierten vor unserem Garten hin und her, um einen Blick zu erheischen. Wir selbst ernteten auch Blicke. Voller Mitleid.

Im Dunkel zu erkennen ist Herbert höchstselbst. Alles war irgendwie dunkel hier…

Ich will mich nicht lustig machen über die Generation, die auf unserer Koppel seit 1962 ihre Lauben errichteten und Gärten anlegten. Zu dieser Zeit gab es nicht an jeder Ecke einen Baumarkt. Das Geld war knapp. Und wenn man dann durch Beziehungen irgendwo zwei alte Fenster und eine Tür ergatterte, dann war man heilfroh. Und um diese Errungenschaften wurde dann die Laube passend drum herum gebaut.

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Unsere Laube allerdings ist aus Backsteinen gemauert. Nicht von Herbert, sondern von einem Vorgänger. Herbert war Tischler und hat innen die Decke und die Wände mit Nut- und Federdielen ausgekleidet. Es sah aus wie in Millionen bundesdeutscher Partykeller. Aber das konnten wir erst sehen, nachdem wir alles komplett ausgeräumt hatten.

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Meine Frau versuchte alles Erdenkliche, um das Innere wohnlich zu gestalten. Die 60er Jahre Einbauküche wurde grundgereinigt und desinfiziert. In dem ganzen Müll hatten wir noch zwei alte Gartenliegen gefunden, die uns nun als Bettstatt dienten. So konnten wir hier übernachten und gleich früh morgens loslegen, anstatt erst noch kilometerweit herradeln zu müssen. Draußen habe ich alle Bäume, Sträucher und Wurzeln komplett entfernt und das ganze Grundstück mit einem Spaten umgegraben. Die Nachbarn kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Ligusterhecke (Vereinsvorschrift) flog auch raus und wurde durch einen Drahtzaun ersetzt.

Frühjahr 2008

Jetzt lag kein Stein mehr auf dem anderen. Wir hatten die Laube noch einmal angepinselt, einen kleinen Geräteschuppen aufgestellt und eine Rabatte angelegt. Schließlich wollten wir auch bald die schöne bunte Vielfalt genießen. Von Baldur hatten wir einen Katalog bekommen und bestellten als Ersatz für den Liguster „10 Meter Blühhecke“. Als die Lieferung ankam und wir Pflänzchen der zehn Meter Blühhecke auf einer Handfläche auslegen konnten, wussten wir, dass es noch ein langer Weg werden wird…

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